Energieeffizienz als globale Strategie

Interview mit Dr. Christian Leis, Leiter Energiemanagement bei Osram

CINTONA: Wo liegen die Schwerpunkte der Energieeffizienz-Optimierung bei Osram?

Leis: In den Bereichen Infrastruktur und Produktion. Dabei müssen alle Optimierungsprojekte eine hohe Profitabilität aufweisen. Wichtig ist für uns auch eine konsequente interne Kooperation mit der Energiebeschaffung sowie strikte Kostenkontrolle. Wir verifizieren die Einsparungen kaufmännisch und messtechnisch und bauen so unsere internen Kompetenzen als Energiemanager stetig aus.

CINTONA: Welche Projekte der letzten Jahre würden Sie herausheben?

Leis: Der Neubau von Blockheizkraftwerken mit Kälteerzeugung aus Abwärme hat sich sehr positiv auf die Energiebilanz ausgewirkt. Außerdem haben wir ein Energiemanagementsystem im Konzern weltweit ausgerollt, in Deutschland nach ISO 50001, im Ausland ohne Zertifizierung. Hervorheben möchte ich auch unser Wissensmanagement, über das wir Best Practices der Energieoptimierung über alle Standorte hinweg global austauschen.

CINTONA: Wenn Sie Unternehmen drei Empfehlungen für den Aufbau eines Energiemanagements geben müssten, wie würden diese lauten?

Leis:
1. Externes Consulting möglichst „lean“ halten
2. Interne Kompetenzen nutzen und weiter ausbauen
3. Synergien mit dem Umweltmanagement nutzen

CINTONA: Beim nächsten Energieeffizienz-Strategiedialog referieren Sie zum Thema „Globales Energiemanagement – ein integrierter Ansatz“. Worum wird es gehen?

Leis: Kurz gesagt um die Vernetzung der Bereiche Energiebeschaffung und Energiemanagement. Klassische Ingenieursprojekte wie die energetische Optimierung von Technik und Infrastruktur müssen mit Hilfe von Managementsystemen und -strategien wie ISO 50001 und ISO 14001 noch stärker betriebswirtschaftlich ausgerichtet werden. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der konsequenten weltweiten Implementierung von Messtechnik, um das Effizienzcontrolling zu verbessern. Außerdem berichte ich über den Einsatz interner Experten, die Energieoptimierungs-Knowhow zwischen den internationalen Standorten transferieren.

CINTONA: Was lief gut beim Aufbau des Energiemanagements? Wo lagen die Probleme?

Leis: Aufgrund der hohen Motivation der Energiemangementteams in den Werken haben wir bei Aufbau und Umsetzung der Strategie global sehr gut kooperiert. Problematisch war oft die Rentabilität einzelner Projekte.

CINTONA: Energiemanager betonen immer wieder den Menschen als entscheidenden Faktor. Wie nehmen Sie bei Osram die Mitarbeiter mit?

Leis: Zunächst mal mit klassischen Trainings und Schulungsmaßnahmen. Außerdem haben sich schwarze Bretter und Infobildschirme als effektiv herausgestellt. Gute Erfahrungen haben wir auch mit Shop-Floor-Aktivitäten gemacht. Dabei behandeln behandeln Linienmanager kurz vor der Schicht Themen wie Arbeitssicherheit, Energieeffizienz und Umweltschutz in kurzen Besprechungen. Auch unser Vorschlagswesen OSRAM Idea-Works spricht Mitarbeiter immer wieder in Sonderaktionen zum Thema Energieeffizienz an.

CINTONA: Wie sieht der Energieeffizienz-Ausblick bei Osram für die kommenden Jahre aus? Planen Sie neue Projekte?

Leis: Wir wollen die bisherigen Erfolge konsolidieren und die globale Integration in Amerika und Asien abschließen. Die globale Messtechnik wird weiter ausgebaut, ebenso die interne technische Unterstützung für die Entwicklung neuer profitabler Technologien. Ein Beispiel wäre die Nutzung von Niedertemperaturabwärme durch einen ORC-Prozess.

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