Interview mit Olaf Quade, Supervisor EHSS & QManagement-Systems, SABIC Polyolefine GmbH

Die SABIC-Gruppe ist ein global tätiger saudischer Mischkonzern mit Schwerpunkten in den Bereichen Chemie, Polymere, Dünger und Metalle

CINTONA: Wo liegen die Schwerpunkte der Energieeffizienz-Optimierung bei SABIC Polyolefine?

Quade: Die „low hanging fruit“ wurden in den anfänglichen Projekten identifiziert und abgearbeitet. Hier haben wir uns die kontinuierliche Betrachtung und Optimierung im Sinne eines P-D-C-A-Zyklus angewöhnt (Plan-Do-Check-Act, Anm. d. Red.). Energie wird seitdem im gesamten Change Management des Unternehmens besonders berücksichtigt.

CINTONA: Welche Projekte der letzten Jahre würden Sie herausheben?

Quade: Wir haben werksweit ein Online-Monitoringsystem für elektrische Energie installiert und dafür auch neue Hardware verbaut. Ein weiteres Highlight ist die Installation bauartveränderter Fackelköpfe zur Einsparung von Zündgas. Wir haben das komplette Abgaskonzept optimiert. Hervorheben möchte ich auch die Definition einer belastbaren Referenz für Dampfverbrauche im Sinne einer Nulllinie

CINTONA: Beim Energieeffizienz-Strategiedialog haben Sie zum Thema „Erfolgreiche Energieeffizienzprojekte“ referiert. Worum ging es da?

Quade: Wie man ein Energiemanagementsystem gemäß ISO 50001 verwirklicht und aufrechterhält. Unser Fokus liegt auf Herausforderungen, Chancen und Grenzen, die wir identifiziert haben. Eine klassische Gap-Analyse zur Standortbestimmung war der Ausgangspunkt. Es wurden Phasen der Implementierung definiert und im Bewusstsein der Mitarbeiter verankert. Das Denken in Projektphasen hat wesentlich zur Akzeptanz beigetragen. Die konzeptionelle Gestaltungsfreiheit der Projektteams brachte Synergieeffekte. Um das Qualitätsmanagement insgesamt schlank zu halten, wurde das Energiemanagement in das bestehende Managementsystem integriert. Hier spielten Emissionshandel, Controlling, Datenmanagement und Transparenz bei den Nachhaltigkeitsprojekten eine wichtige Rolle. Natürlich haben wir aufgepasst, dass wir mit der ISO50001-Zertifizierung keine Parallelstrukturen aufbauen. Es war auch sehr wichtig, die für das Energiemanagement notwendigen Kompetenzen in den Organisationsstrukturen sauber zu verankern. Energieeffizienz ist immer eine unternehmensweite Aufgabe.

CINTONA: Was lief gut bei den Projekten? Wo lagen die Probleme?

Quade: Die Akzeptanz für die Einführung des Energiemanagementsystems innerhalb der Organisation war sehr hoch. Wir haben schon vorher ein Sustainability-Managementsystem eingeführt. Und natürlich reagieren wir auch auf die politischen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen, die sich auch in der Belegschaft widerspiegeln. ISO50001 wurde da als logischer weiterer Schritt gesehen. Trotzdem mussten wir wie so oft bei Veränderungsprozessen anfängliche Vorbehalte ausräumen.
Insbesondere nach der Erstzertifizierung war es eine Herausforderung, die Maßnahmen und Aktivitäten in Sachen Energie und Nachhaltigkeit als kontinuierlichen Prozess in Gang zu halten. Dieses Verstetigen hat aber schließlich funktioniert und es funktioniert weiterhin.

CINTONA: Wenn Sie Unternehmen drei Empfehlungen für den Aufbau eines Energiemanagements geben müssten, wie würden diese lauten?

Quade:
1. Change Management ist essentiell und muss beherrscht werden. Das gilt besonders für den Akzeptanzbildungsprozess.

2. Das Management muss den Prozess für alle sichtbar begleiten. Das erzeugt Authentizität und Motivation der eigenen und externen Mitarbeiter in Bezug auf Energiemanagement.

3. Es gibt kein Patentrezept für die konzeptionelle Gestaltung, ich würde aber empfehlen bestehende Strukturen einzubeziehen, individuelle Gegebenheiten zu berücksichtigen und Parallelprozesse zu vermeiden.

CINTONA: Energiemanager betonen immer wieder den Menschen als entscheidenden Faktor. Wie nehmen Sie bei SABIC Polyolefine die Mitarbeiter mit?

Quade: Wir informieren und schulen regelmäßig unsere Mitarbeiter und auch die Kollegen aus Partnerfirmen. Die Prozeduren sind klar beschrieben. Wir laden die Mitarbeiter ein, sich aktiv an Projekten und in der Gremienlandschaft zu beteiligen. Das betriebliche Vorschlagswesen leistet einen wichtigen Beitrag.

CINTONA: Wie sieht der Energieeffizienz-Ausblick bei SABIC Polyolefine für die kommenden Jahre aus? Planen Sie neue Projekte?

Quade: Nachdem wir die Hardware als technische Grundlage des Energiemonitorings installiert haben, setzen wir nun eine Art „Technical Controlling“ um. Dieses Controlling soll die Plausibilisierung der Energiedaten und die Rückmeldungen bezüglich der optimalen Betriebszustände an den Operator verbessern sowie ein detaillierteres Review ermöglichen.